Trennung ist eine Illusion
„Fassen wir mal zusammen. Du kannst es zwar ein bisschen fühlen, Alles-Was-Ist zu sein – Gott zu sein –, aber nicht beschreiben. Wie auch? Alles-Was-Ist lässt sich nicht beschreiben. Es ist eben Alles-Was-Ist. Doch wie würden die Menschen darauf reagieren, wenn du ihnen sagst, wer sie wirklich sind?“
Daran hatte ich noch gar nicht gedacht. „Wahrscheinlich würden sie mich für größenwahnsinnig halten und mir auf keinem Fall glauben.“
„Genau so ist es. Sogar du selber bist noch nicht vollkommen überzeugt davon. Darum werde ich dir jetzt eine Metapher geben, die in ihrer Einfachheit jeden überzeugen wird, sozusagen aus dem Leben gegriffen, ein simples Beispiel, das zum ‚Aha-Erlebnis’ führt. Es ist – der menschliche Körper mit all seinen Zellen. Dieser Körper in seiner Gesamtheit ist in unserem Beispiel nun Gott – Alles-Was-Ist.“
„Da fällt mir gerade ein Bibelspruch ein“, höre ich mich mehr zu mir selbst sagen. „Gott hat den Menschen nach seinem Ebenbild erschaffen. Ist das so gemeint?“
„So könntest du es für dich definieren, wenn es dir weiterhilft. Du verstehst jedenfalls, was ich meine.
Dieser Körper besteht aus unzähligen einzelnen Zellen, die alle eine ganz spezielle und wichtige Aufgabe erfüllen. Manche Zellen haben sich zu einer bestimmten Aufgabe vereinigt. Die Haut, die Haare, die Fingernägel, das Herz, der Magen, die Leber, der Darm, das Gehirn – sie sehen alle unterschiedlich aus und funktionieren auch unterschiedlich. Wenn eine einzelne Zelle ausfällt, übernehmen die anderen ihre Aufgabe mit. Ständig sterben Zellen ab und erneuern sich wieder, ständige Veränderung also. Trotz aller Individualität stehen sie doch alle miteinander in engem Funkkontakt sozusagen. Wenn eine Zelle sich verändert, wissen das ganz automatisch auch alle anderen Zellen. Sie stehen immer in Verbindung – sie sind eins, ein Körper.“
Ich muss wieder unterbrechen: „Halt – dazu kommt mir gerade eine Geschichte in den Sinn. Die mit dem 100sten Affen. Als der 100ste Affe durch Ausprobieren etwas anders machte als die anderen, machten es alle anderen plötzlich auch, ohne davon zu wissen. Die Geschichte soll sogar wahr sein. Aber erzähl weiter...“
„Du beginnst zu verstehen, was Eins-Sein wirklich bedeutet. Nun wieder zurück zu unserem Körperbeispiel:
Dir ist bekannt, dass eine winzige Körperzelle ausreichen würde, um damit den ganzen Menschen in seiner Vollkommenheit neu entstehen zu lassen – zu klonen, wie man es nennst. Ein vollkommenes Abbild des vollkommenen Körpers, und das aus einer winzigen, vielleicht unbedeutend erscheinenden Zelle. Verstehst du, was ich damit sagen will?“, fragt meine Stimme bei mir nach.
„Absolut. Jetzt wird mir so einiges klarer. Das ist ja ein Beispiel erster Sahne. So etwas hätte mir ja schon längst mal einfallen können. – Ach ja, ist es ja auch ... stimmt sogar.“
Inzwischen weiß ich nicht mehr, wer oder was ich überhaupt bin... Doch nun beginne ich das gesamte Ausmaß zu erahnen: „Meine Güte, willst du damit sagen, dass wir diese Zellen von Gott – Alles-Was-Ist – sind und über Wahnsinnskräfte verfügen könnten? Warum tun wir’s dann nicht?“
„Zum einen, weil ein Wesen in Menschengestalt riesige Angst vor seinen eigenen Kräften hat – und zum anderen, weil die meisten von euch es noch nicht wissen. Die Zellen eures Körpers wissen ja auch nicht, dass sie die Kraft des ganzen Körpers haben. Dieses Wissen ist nur latent in ihnen vorhanden, sozusagen abrufbar, wenn es geweckt wird. Gott, Alles-Was-Ist – in diesem Fall das Gesamtwesen Mensch – erfährt so durch seine verschiedenen Zellen auf einzigartige Weise eine Fülle von unterschiedlichen Erfahrungen. Und nun überlege mal, wie der Körper – jeder von euch – entstanden ist.“
Ich bin verblüfft. „Mensch Meier – äh du, das ist ja einfach. Das ist ja genauso wie die Geschichte, die du mir mal vom Paradies und unserem Beginn erzählt hast. So funktioniert auch die Zellteilung. Phänomenal, das alles. Wirklich phänomenal! Und soooo einfach. Mein Gott, warum kam ich da nicht selber drauf? Jetzt versteh ich so einiges – und ich kann sogar ein bisschen verstehen, dass ich auch Gott bin – Alles-Was-Ist.“
Freude klingt in meiner Stimme mit, als sie mir bestätigt: „Ja, das bist du – und Alles-Was-Ist ebenso. Trennung ist nur eine Illusion, die von Gott – also auch dir – geschaffen wurde, um in möglichst vielen unterschiedlichen Teilen Erfahrungen machen zu können, die nur in der Begrenztheit möglich sind.“
„Das versteh ich endlich – glaube ich jedenfalls. Aber sag mir doch mal, warum sollte ich denn Angst vor meiner Kraft haben? Ich fände es superklasse, wenn ich nun zur Superfrau mutieren würde. Das würde so einiges leichter machen.“
Mit unendlichem Mitgefühl klärt mich meine Stimme weiter auf. „Deine Angst stammt noch aus der Leere nach dem Nebel, dort wo du deine Schöpferkräfte entdeckt und auch angewendet hattest. Da ist nämlich so einiges schiefgelaufen bei deinen ersten Experimenten ... würdest du jetzt jedenfalls sagen. Im Grunde stimmt das ja nicht, weil es wiederum nur Erfahrungen waren.
Du hast in deiner Unerfahrenheit Dinge erschaffen, die du später lieber rückgängig gemacht hättest. Du hast erkannt, dass Zerstörung und Kampf nicht das ist, was dich weiterbringt. Und so hast du dir irgendwann einen Code – sozusagen – ausgedacht, um deine Kräfte einzugrenzen. Du selbst hast entschieden, diesen Code zu vergessen, um dich und andere vor deinen eigenen Schöpfungen zu schützen.
Erst jetzt bist du bereit, wieder an deine gesamte Kraft zu kommen – wieder zu Allem zu werden, was du bist. Allein deine Bereitschaft dazu hat mich gerufen und dir ermöglicht, mich zu hören. Ich werde dir auch noch verraten, wie du diesen Code entschlüsseln kannst. Vorher gibt es allerdings noch einiges, was du wissen musst.
Ach ja ... hättest du nicht Lust, deinen Peter wiederzusehen?“
„Oh Gott, Peter! Wahnsinnig gerne, natürlich! Wie konnte ich mich inzwischen so weit verlieren, dass ich gar nicht mehr an ihn gedacht habe?“
„Du hast dich nicht verloren – sondern wiedergefunden. Und nun kannst du Peter davon erzählen. Wenn du jetzt einschläfst, wirst du neben ihm aufwachen...“
Oh Himmel, meine Freude ist unbeschreiblich! Und schon bin ich auf meiner Wiese eingeschlafen...
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